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Die Baurohstoffversorgung ist in Gefahr

Die Versorgung der Wirtschaft mit mineralischen Rohstoffen ist eine Grundlage für jeden Wirtschaftsraum und daher von großer Bedeutung. Doch die Abbaumenge in den bewilligten Abbaufeldern Vorarlbergs reduziert sich in den nächsten Jahren erheblich. Gegenmaßnahmen werden gefordert.  

In Vorarlberg werden jährlich ungefähr 4 Millionen Tonnen an mineralischen Baurohstoffen verbaut. Dies entspricht bei ca. 390.000 Einwohnern einem pro Kopf Verbrauch von 10,3 t/Einwohner. Ein Großteil der Rohstoffe wird in verschiedenen Abbaufeldern, in Baugrubenaushüben und aus Bachräumungen in Vorarlberg gewonnen, ein Teil wird aus Deutschland und Tirol bzw. Salzburg importiert und ein Teil wird ins benachbarte Ausland exportiert. Des weiteren werden mineralische Baurohstoffe aus Deutschland über Vorarlberg in die benachbarte Schweiz transportiert. Da im Vorarlberger Rheintal mit der höchsten Siedlungsdichte die größte Menge an Baurohstoffen verbaut wird und diese nicht nur im Rheintal gewonnen werden kann, ergeben sich erhebliche Transportstrecken, welche ausschließlich auf der Straße erfolgen.

Baurohstoffversorgung in Vorarlberg - Bedarfsstudie
Durch die Gewinnung mineralischer Rohstoffe und deren Transport haben wir es in Vorarlberg regelmäßig mit Interessenskonflikten hinsichtlich des Natur- und Landschaftsschutzes, der Interessen der Wasserwirtschaft, der Raumplanung, des Umweltschutzes und des Tourismus zu tun. In den letzten Jahren wurden geplante Abbauprojekte sehr emotional und öffentlich diskutiert. Wie in einer Studie der Wirtschaftsabteilung des Landes Vorarlberg sowie dem Landesgeologen und Vertretern der Wirtschaftskammer aus dem Jahr 2018 festgestellt wurde, fehlen in Vorarlberg ohne Berücksichtigung des Zementimports jährlich ca. 230.000 Tonnen an Kies. Die Abbaumenge in den bewilligten Abbaufeldern reduziert sich in den nächsten Jahren erheblich. Nach zwei Jahren würde sich die Abbaumenge ohne neue Genehmigungen um 14 Prozent, nach fünf Jahren um 42 Prozent und in zehn Jahren um 72,5 Prozent reduzieren. In Vorarlberg wird derzeit eine Menge ca. 2,7 Mio t/Jahr an mineralischem Rohstoff in bewilligten Abbaufeldern gefördert, durch verwertbare Baugrubenaushübe und Bachräumungen ergibt sich eine Produktionsmenge von ca. 3,5 Mio t/Jahr. Sofern keine neuen Bewilligungen mehr erteilt werden, reduziert sich die Produktionsmenge in den derzeit bewilligten Abbaufeldern in den nächsten fünf Jahren auf 1,6 Mio t/Jahr und nach 10 Jahren auf ca. 0,8 t/Jahr. Diese fehlende Menge müsste dann über Importe aus Deutschland und Tirol kompensiert werden. Bewilligungen für den Abbau von Rohstoffen (Kies, Sand, Schotter, Wasserbausteine,....) gehen in Vorarlberg zur Neige (siehe Kiesstudie des Landes Vorarlberg). Dies trifft ebenfalls für Aushubdeponien im ganzen Land Vorarlberg zu. Großer Bedarf besteht im Rheintal an Rundkies, welcher für die Betonherstellung benötigt wird.

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„In vielen Fällen ist es fünf vor zwölf. Aufgrund der beschriebenen Situation fordere ich vom Land Vorarlberg die Einrichtung eines Rohstoff- und Deponiebeirates nach Tiroler Vorbild“, betont Franz Kopf, Landesinnungsmeister für das Baunebengewerbe in Vorarlberg. Dieses Gremium sollte laut Kopf eine beratende Funktion für die Vorarlberger Landesregierung ausüben. „In diesem Gremium müssten dann alle betroffenen Themen abgedeckt werden: Raumplanung, Geologie, Umweltschutz, Wirtschaft, Landschaftsschutz, Wasserwirtschaft, wie das bei unseren Tiroler Nachbarn bereits umgesetzt ist.“

Kein Gebäude, keine Straße und auch kein sonstiger Infrastrukturbau kommt ohne Sand-, Kies- oder Schotterprodukte aus. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch dieser wertvollen Rohstoffe liegt in Österreich bei zwölf Tonnen. „Als regionale Nahversorger sorgen die Sand-, Kies- und Schotter-Unternehmer für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Der Abbau in der Nähe verhindert zudem unnötigen Verkehr. Stellen sie sich vor, wir würden diese Rohstoffe importieren. Allein für Vorarlberg wären das rund 300.000 zusätzliche Lkw-Fuhren, die unser Land überrollen würden“, sagt Kopf. Aus Umweltschutzgründen sollten die Transportwege so kurz wie möglich gehalten werden. Dazu sind regionale Gewinnungsstätten für mineralische Rohstoffe zwingend erforderlich und die Wertschöpfung bleibt dabei in der Region. Vorarlberg braucht daher dringend ein Rohstoff-Konzept für mineralische Rohstoffe.

Empfehlungen aus der „Kies-Studie“
Auf Grund des Bedarfs an mineralischem Rohstoff in Vorarlberg wird es zeitnah erforderlich sein, neue Kies-Abbaufelder zu erschließen. Wie im Österreichischen Rohstoffplan beschrieben, sollen möglichst bestehende Abbaufelder erweitert werden. Um den Flächenverbrauch minimal zu halten sind auch Nassbaggerungen einzuplanen, wenn dies die örtlichen hydrogeologischen Gegebenheiten zulassen. Durch zukünftige Nassbaggerungen im Rheintal könnten hochwertige Betonkiese erschlossen werden, welche im Rheintal dringend benötigt werden. Allerdings sollten neue Erschließungen nicht dazu führen, dass sich die Exporte in die Schweiz erhöhen. Dafür und für eine Reduktion des Exports in die Schweiz müssten politische Werkzeuge geschaffen werden. Um für die Zukunft hinsichtlich der Wasserbausteine vorzusorgen, um einem Mangel bei Hochwasserkatastrophen und hinsichtlich des Projektes „Rhesi“ vorzubeugen, sollten neue Bewilligungen für Steinbrüche im ganzen Land angestrebt werden. Damit können Eingriffe in schützenswerte Gebiete im Falle von Katastrophen – wie im Jahr 2005 – vermieden werden. Üblicherweise sind Erweiterungen bestehender Steinbrüche leichter zu bewilligen als neue Erschließungen. Zu beachten ist allerdings, dass für Steinbruchbewilligungen meistens eine Vorlaufzeit von mehreren Jahren erforderlich ist.

Da in Deutschland keine Naturschutzabgabe eingehoben wird, in Vorarlberg auf die Kies- und Sandimporte aus Tirol und Deutschland (derzeit ca. 820.000 t) und auch für den Transitanteil (ca. 270.0000 t) aber sehr wohl Naturschutzabgaben zu entrichten sind, führt das zu Kostenvorteilen bei Importen. 



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