"Es gibt auch einen Tag nach der Krise"

Im Gespräch mit WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf.

Herr Generalsekretär, was wird getan, um den Betrieben in dieser schwierigen Corona-Zeit zu helfen?
Die Regierung hat einen 38 Mrd. Schutzschirm zur Verfügung gestellt. Der Schutzschirm beinhaltet Maßnahmen, die ineinandergreifen. 4 Mrd. Euro sind als Soforthilfepaket für Klein- und Kleinstbetriebe und zur Finanzierung der Kurzarbeitsregelungen vorgesehen. 9 Mrd. Euro sind für Garantien und Haftungen bei Kreditsicherungen und 15 Mrd. Euro als Notfallhilfen für Branchen zur Entschädigung von Geschäftseinbußen, sowie 10 Mrd. Euro an Steuerstundungen reserviert.

Kommt dieser Schutzschirm auch bei den Unternehmen an?
Wir werden alles dafür tun, dass unsere Betriebe die zugesagten Förderungen und Hilfen möglichst rasch bekommen – da geht es um jeden Tag. Sozialpartner und Regierung haben etwa die Kurzarbeit schon wesentlich attraktiver gemacht: Kurzarbeitsgeld gibt es mittlerweile aliquot auch im Krankenstand, der Unternehmer zahlt nur für die tatsächlich geleistete Arbeit und bei der Kreditvergabe zur Sicherung der Betriebsliquidität reicht nun die Kurzarbeitsbewilligung als Sicherheit für einen Kredit aus.

Wie läuft es beim sogenannten Härtefallfonds?
Den Härtefallfonds wickeln wir als Wirtschaftskammer im Auftrag der Bundesregierung ab und geben unser Bestes, um rasch zu helfen. In den ersten 72 Stunden haben wir 70.000 Anträge erhalten und konnten 90 % davon abarbeiten. Dafür waren in den Wirtschaftskammern 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch am Wochenende im Einsatz.

Warum war Ihnen die Sozialpartner-Einigung am Bau so ein großes Anliegen?
Mit der Gewerkschaft ist es uns gelungen, gemeinsame Richtlinien zur Weiterführung von Baustellen festzulegen. Der Schutz der Beschäftigten hat oberste Priorität. Wir haben jetzt klare Regelungen, mit denen weitergearbeitet werden darf. Einige Unternehmen haben mittlerweile verkündet, geschlossene Baustellen wieder zu öffnen – das ist ein äußerst wichtiges Signal für den Standort. Eine solche Sozialpartner-Einigung gab es auch im Handel.

Gibt es eine Perspektive für die kommenden Wochen?
Die nächsten Wochen werden ein schwieriger Balanceakt. Alles was derzeit an Wirtschaftsstrukturen aufrechterhalten werden kann, dient der Zukunft der Betriebe und ihrer Arbeitsplätze und sichert die Versorgung unserer Bevölkerung. Wir müssen Produktion und Versorgung unter Wahrung aller Schutzmaßnahmen auch in jetzigen Krise aufrechterhalten. Ohne Wirtschaft und ohne wirtschaftliche Leistung gibt es letzten Endes auch kein finanzierbares Gesundheitswesen – und eines ist klar: Es gibt auch einen tag nach der Krise. Dann gilt es, Österreichs Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Vielen Dank für das Gespräch!



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