"Die Trennung von guten Arbeitskräften ist ein schwerer wirtschaftlicher Schaden"

AMS-Chef Bernhard Bereuter über das neue Corona-Kurzarbeit-Modell.

Der Gesetzgeber hat in kürzester Zeit ein neues Kurzarbeitsmodell erarbeitet. Erklären Sie unseren Leser/-innen bitte kurz das Modell?
Kurzarbeit ist ein sehr gutes Instrument zur Unterstützung der Unternehmen, die sich aufgrund von externen Umständen in vorübergehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden, derzeit vor allem im Zusammenhang mit COVID-19. Während der Kurzarbeit trägt der/die Arbeitgeber/-in die Kosten für die Arbeitsleistung, die von den Mitarbeiter/-innen erbracht wird. Die Reduktion (Arbeitszeitausfall) kann im Kurzarbeitszeitraum (3 Monate) zwischen 10 Prozent und 90 Prozent liegen. Innerhalb des Kurzarbeitszeitraums sind Ausfallszeiten bis zu 100 Prozent möglich. Das AMS ersetzt den Arbeitgeber/-innen die Kosten für die Ausfallsstunden. Alle Unterlagen (Antragsformular, Pauschalsatztabellen, Erläuterungen zu den Pauschalsatztabellen, Bundesrichtlinie KUA, AMS Teilzeitberechnungs-Tool) sind online: www.ams.at/unternehmor

Worin liegt der Vorteil des neuen Corona-Kurzarbeit-Modells?
Es geht darum, dass in dieser schwierigen Zeit die Wirtschaft für die Zukunft gestärkt wird und Arbeitsplätze gesichert werden. Es ist tatsächlich ein Modell, dass sowohl für die Unternehmen als auch für die Beschäftigten viele Vorteile bietet. Die wesentlichen Vorteile für die Unternehmen liegen darin, dass sie ihr Personal halten können. Sie können damit wieder rasch auf wirtschaftliche Aufschwünge reagieren und das erhöht die Wettbewerbsfähigkeit. Es geht aber auch darum, Wissen und Erfahrung im Unternehmen zu halten und Fluktuationskosten zu vermieden. Die Trennung von guten Arbeitskräften ist ein schwerer wirtschaftlicher Schaden für Unternehmen.
Auch für die Mitarbeiter/-innen macht es einen großen Unterschied, ob sie weiter in Beschäftigung bleiben oder arbeitslos werden. Während der Kurzarbeit erhalten sie zwischen 80 Prozent und 90 Prozent des letzten Nettogehaltes, werden sie arbeitslos, dann sind es nur noch zwischen 55 Prozent und 60 Prozent. Also ein deutlicher Unterschied. Kurzarbeit erhöht damit auch den Inlandskonsum und stärkt die Wirtschaft.

Wie groß ist die Nachfrage?
Die Nachfrage ist sehr groß. Wir haben bereits über 1.600 Anfragen und schon über 700 Anträge erhalten. Es freut mich, dass viele Unternehmen die Kurzarbeitsbeihilfe nutzen. So können viele Menschen in Beschäftigung gehalten werden.

Stichwort Abwicklung: Können Sie den Andrang bewältigen?
Die Bearbeitung der Kurzarbeit ist sehr komplex. Wir haben die letzten Tage viele Mitarbeiter/-innen in diesem Bereich eingeschult und können die Förderanträge so immer rascher bearbeiten. Es ist im Moment noch so, dass teilweise Unternehmen keine Antwort von uns erhalten haben. Sie können aber sicher sein, dass wir uns melden, sollte etwas beim Antrag fehlen. Wir erhalten derzeit viele unvollständige Anträge. Das bedeutet für uns nach telefonieren, nachfassen und verlängert die Bearbeitungszeit unnötig. Der dringende Appell an die Unternehmen ist daher, dass nur die vollständig ausgefüllten Begehren mit der unterschriebenen Sozialpartnervereinbarung an das AMS gesendet werden. Uns ist lieber etwas später und dafür vollständig. Es für mich beeindruckend mit welchem Einsatz und Engagement meine Mitarbeiter/-innen an der raschen Abwicklung der Förderanträge arbeiten.

Wird das Geld ausreichen, allen Antragstellern gerecht zu werden oder gilt first come, first serve?
Dieses Prinzip gilt derzeit nicht. Es geht mit der Kurzarbeitsbeihilfe ja darum, dass möglichst viele Unternehmen in dieser schwierigen Situation unterstützt werden, um die Arbeitsplätze zu sichern.

Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer werben gemeinsam für das neue Modell. Wie kann verhindert werden, dass Missbrauch passiert. Umgekehrt gefragt, dass jene die Unterstützung auch bekommen, die es dringend brauchen?
Wir gehen davon aus, dass nur die Unternehmen, die tatsächlich wirtschaftliche Schwierigkeiten haben einen Antrag auf Kurzarbeitsbeihilfe stellen. Zur Sicherstellung, dass kein Missbrauch erfolgt werden wir auch anhand der Lohnkonten und der Arbeitszeitaufzeichnungen Unternehmen prüfen.

Vielen Dank für das Gespräch!



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