Foto: Marcel Hagen

Es geht um Existenzen

WKV-Präsident Hans Peter Metzler: „Mit dem Wegweiser Unternehmenshilfe bekommen unsere Betriebe die Unterstützung, die sie brauchen. Tempo und Treffsicherheit müssen aber erhöht werden.“  

Die Corona-Krise hat quer durch alle Wirtschaftsbereiche tiefe Spuren hinterlassen. Viele Selbständige haben 100-prozentige Umsatzausfälle und stehen ohne Einkommen da – hier wird es in einigen besondes schwer getroffenen Branchen weitere Hilfen brauchen.

„Unsere Regierung hat rasch rigorose Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung umgesetzt. Sie war aber ebenso schnell mit ihren Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft. Das Kurzarbeits-Modell, der Härtefallfonds als Soforthilfe, der Corona-Hilfsfonds, um Liquidität zu erhalten und Umsatzausfälle abzufedern, Steuerstundungen, Garantien und Überbrückungsfinanzierungen werden mithelfen, unsere Betriebe durch die Krise zu bringen. Dennoch bin ich bezüglich der Treffsicherheit und des Tempos vieler im Grunde gut gemeinter Instrumente besorgt“, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler. 
Die Ankündigung von Finanzminister Gernot Blümel, wonach es schnellere Kreditvergaben an Unternehmen geben soll, hält Metzler für einen entscheidenden Schritt zur dringenden Liquiditätssicherung der Unternehmen. 
Der Ball liege jetzt beim Finanzminister, der seinen Aussagen nach einer schnelleren Auszahlung von Geldern in Zeiten der Corona-Krise nun umgehend Taten folgen lassen müsse. „Bei der Bundespolitik scheint unsere Kritik an einer zu langsamen Liquiditätssicherung der Betriebe endlich angekommen zu sein. Die Banken werden bei der Vergabe von Krediten von einer zu strengen Regulatorik gebremst. Das sollte jetzt erst einmal vom Tisch sein“, erklärt Präsident Metzler.

Liquidität sichern
Für Metzler ist entscheidend, dass rasch Geld ins System gebracht und damit Liquidität gesichert wird, um Zeit zu gewinnen. Zeit, damit alle weiteren Maßnahmen für die betroffenen Betriebe treffsicher und zielorientiert gesetzt werden können. „Es geht jetzt um Existenzen, da bleibt nicht viel Zeit zum Handeln.“ 
„Das muss jetzt in der Praxis funktionieren. Wir werden das jedenfalls genau beobachten. Ich erinnere Bundeskanzler Kurz und Vizekanzler Kogler gerne an ihre Aussage vor über einem Monat: ‚Alles, was es braucht – koste es, was es wolle – für Arbeitsplätze und Unternehmen‘. Dieser muss jetzt auch Leben eingehaucht werden. Nicht morgen, sondern am besten bereits gestern“, sagt der WKV-Präsident.

Unermüdlicher Einsatz
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Tagen weitere Schritte in Richtung „Normalzustand“ angekündigt. Jetzt heißt es für Sie, durchzuhalten, und für uns, weiter an zielorientierten Hilfsmaßnahmen zu arbeiten, die treffsicher sind. Die bestehenden Corona-Hilfsmaßnahmen sind bei weitem nicht ausreichend. Wir müssen gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen Lösungen über die Krise hinaus anbieten, besonders für Branchen, die massiv betroffen sind. 
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wirtschaftskammer Vorarlberg sind weiter rund um die Uhr im Einsatz. „Über 72.000 Anrufe haben uns seit dem 13. März 2020 erreicht. An Spitzentagen waren es mehr als 6.300. Ich verspreche Ihnen, wir werden nicht aufhören für Ihre Anliegen zu kämpfen! Wir als Unternehmer/-innen sind uns unserer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden, der Gesellschaft und der Umwelt bewusst. Das ist eine gute Basis, um die Krise zu meistern. Aber wir verlangen auch zielsichere Lösungen von der Politik“, sagt Metzler. 



Überblick über die Unternehmenshilfe in der Corona-Krise: 

Corona-Kurzarbeit 

Das Corona-Kurzarbeitsmodell ist in Europa einzigartig, entlastet Betriebe, hält viele Menschen in Beschäftigung und ermöglicht einen raschen Neustart nach Bewältigung der aktuellen Situation. Auf Basis einer Sozialpartnervereinbarung kann eine Kürzung der Arbeitszeit von 10 – 90 Prozent beantragt werden, die phasenweise sogar auf 0 Prozent gesenkt werden kann. Der entstandene Entgeltausfall wird durch das AMS auf bis zu 90 Prozent des Nettogehalts ausgeglichen. Die Regierung hat die Mittel für Corona-Kurzarbeit von 400 Millionen auf drei Milliarden Euro aufgestockt. Um die Zeit bis zur Auszahlung zu überbrücken, werden die Banken Vorfinanzierungen übernehmen.

Härtefall-Fonds 
Der Härtefall-Fonds sorgt als rasche und unbürokratische Soforthilfe dafür, dass Ein-Personen- und Kleinstunternehmer sowie andere Selbstständige ihren Verpflichtungen nachkommen können. Die von Ihrer Wirtschaftskammer mit nachdruck geforderte und erreichte Nachbesserung in der Phase II bedeutet, dass der Fonds von einer auf zwei Milliarden Euro verdoppelt wurde, die Einkommensgrenzen gefallen sind, auch mehrfach Sozialversicherte anspruchsberechtigt sind und Jungunternehmer/-innen, die seit dem 1. Jänner gegründet haben, aus dem Härtefallfonds abgesichert werden. 

Corona-Hilfs-Fonds 
Der Corona-Hilfs-Fonds ist der jüngste – und mit 15 Mrd. Euro der größte – Teil des Corona-Schutzschirms. Zwei neue Instrumente sollen den Unternehmen und Branchen, die durch Maßnahmen wie Betretungsverbote, Reisebeschränkungen oder Versammlungsbeschränkungen besonders betroffen sind bzw. Unternehmen, die in Folge der Corona-Krise mit großen Umsatzeinbußen und der Gefährdung ihrer Geschäftsgrundlage konfrontiert sind, in den Bereichen Liquidität und Kostenersatz Hilfe bieten: Garantie der Republik mit 90 Prozent Haftung für Betriebsmittelkredite. Zuschuss für bis zu 75 Prozent zu bestimmten Betriebskosten. 

Steuerstundungen 
Auf Antrag sind Steuerstundungen, Herabsetzung der Steuervorauszahlungen, ein Verzicht von Nachforderungszinsen, Stundungszinsen und Säumniszuschlägen beim Finanzamt möglich, wenn ein Betrieb von einem Liquiditätsengpass betroffen ist. Auch bei der Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen wie auch der ÖGK sind Stundungen, Ratenzahlungen, das Herabsetzen von Beitragsgrundlagen und eine Nachsicht von Verzugszinsen möglich. 

Vorarlberger Mikrokreditmodell 
Um Ein-Personen-Unternehmen (EPU), Kleinstbetriebe bis maximal zehn Mitarbeitende, neue Selbstständige und freiberuflich Tätige in der Ausnahmesituation zusätzlich zu unterstützen, wurde in enger Abstimmung mit der Wirtschaftskammer und den Vorarlberger Regionalbanken ein Mikrokreditmodell erarbeitet.

Vorarlberg-Soforthilfefonds 
Der Vorarlberg-Soforthilfefonds richtet sich an jene Personen und Unternehmen, die beim Härtefallfonds des Bundes aufgrund der dort geltenden Bestimmungen nicht berücksichtigt werden oder die sich weiterhin in einer existentiellen Notlage befinden. 

Garantien und Überbrückungsfinanzierungen 
Garantien für Überbrückungsfinanzierungen im Ausmaß von zehn Millionen Euro für EPU/KMU (ausgenommen Tourismus) durch die Austria Wirtschaftsservice (aws). Überbrückungsfinanzierungen für Mitglieder der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Abwicklung seit 11. März über die Tourismusbank ÖHT. Exportfirmen können mit Unterstützung ihrer Hausbank einen Kreditrahmen in Höhe von 10 bzw. 15 Prozent ihres Exportumsatzes bei der OeKB beantragen.



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