Foto: Simon Gross

Güterterminal Wolfurt: Meilenstein für Exportwirtschaft

Ein bedeutender Erfolgsfaktor für die Exportfähigkeit einer Region ist die Verkehrsinfrastruktur, die den reibungslosen Ablauf der Lieferketten und den weltweiten Export der Waren gewährleistet. Als Vorarlbergs „Warentor“ zur Welt hat der Güterterminal Wolfurt deshalb eine besondere Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg.

von LR Marco Tittler

Vorarlberg ist ein Exportland, denn die Grundlage für seinen Wohlstand erarbeitet es zu großen Teilen auf den internationalen Märkten, in denen die innovativen und hochqualitativen Produkte und Dienstleistungen „made in Vorarlberg“ stark nachgefragt werden. Sechs von zehn Euro unseres Bruttoregionalprodukts werden im Außenhandel generiert und etwa jeder zweite Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt vom Export ab. Alleine seit dem EU-Beitritt 1995 hat sich das Exportvolumen Vorarlbergs von 2,5 auf 10,5 Milliarden Euro vervierfacht. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung und der University of Sussex, in der die ökonomischen Effekte des EU-Binnenmarktes in Europas Ländern und Regionen untersucht wurden, be- stätigt sehr eindrucksvoll, dass kleine Länder, die viel Handel treiben und besonders international ausgerichtet sind, die größten EU-Profiteure sind. Vorarlberg liegt mit einem Pro-Kopf-Einkommensgewinn von 2.062 Euro deutlich an der Spitze der österreichischen Regionen und auch europaweit unter den Top-Regionen.

Ausbau als Meilenstein für Exportwirtschaft
Der 1982 eröffnete Güterbahnhof in Wolfurt war für eine derartig exportgetriebene Nachfrage nicht ausgelegt und längst an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt. Die Erweiterung des Terminals war daher für Vorarlberg ein zentrales Infrastrukturprojekt der letzten Jahrzehnte, das von der Landesregierung intensiv vorangetrieben wurde. Die Bemühungen fruchteten schließlich im Baustart 2014 und der offiziellen Eröffnung des erweiterten Terminals 2018, die eine neue Ära für den Güterverkehr im Bodenseeraum einleitete. Neue Terminallogistik und eine noch raschere Abwicklung der Umschlagprozesse sorgen seither für mehr Kapazität, Wirtschaftlichkeit und Service. Der ÖBB-Güterterminal Wolfurt bietet inzwischen 1.700 Vollcontainerlagertellplätze im unmittelbaren Kranbereich sowie 3.500 Leercontainerlagertellplätze im nördlichen Bereich des Terminals. Vor dem Ausbau gab es lediglich ein Viertel der heutigen Stellplatzzahl. Die Terminalfläche wurde zudem von 72.000 auf 106.000 m2 erweitert und bietet damit Platz für die künftigen Herausforderungen im Bahngütertransport.

Optimiertes Serviceangebot
Als Tor in die Welt und zentraler Umschlagplatz ist der Güterterminal Wolfurt wichtigster Güterverkehrsknoten in Westösterreich und damit Dreh- und Angelpunkt für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene. Doch seit der Eröffnung des neuen Terminals ist die Entwicklung an Vorarlbergs Verkehrsknoten nicht stehen geblieben. Es wurden und werden zahlreiche Einzelmaßnahmen erfolgreich umgesetzt, um für die Exporteure das gewohnt hohe Level in Bezug auf Qualität und Service sicherzustellen. So wurde speziell das Reparaturkompetenzzentrum (RKZ) für Container deutlich erweitert. Unzählige Container haben die Spezialisten vor Ort seither repariert oder instandgesetzt. Der Ausbau des Terminals hat zudem neue Arbeitsplätze geschaffen, alleine seit der Eröffnung im Oktober 2018 ist die Zahl der Beschäftigten um mehr als 10 Prozent gestiegen.

Zollabfertigung im Fokus
Auch im Bereich der Lkw-Zollabfertigung sind Verbesserungen geplant: Die Grenzen zur Schweiz und nach Liechtenstein sind die einzigen verbliebenen Zollaußengrenzen des österreichischen Staatsgebiets. Um diese massiven Warteschlangen an den Werktagen einzudämmen, liegt das Hauptaugenmerk auf der Lkw-Zollvorabfertigung beim Güterbahnhof Wolfurt, die in enger Abstimmung mit den österreichischen und schweizerischen Zollbehörden, der Transportwirtschaft und den ÖBB neu organisiert werden soll. Gleichzeitig gilt es aber auch, die Bemühungen um eine Aufteilung des Güterverkehrs auf die verschiedenen Grenzübergänge fortzuführen und im Dialog mit der Regierung Liechtensteins eine Optimierung der Zollabfertigung in Feldkirch-Tisis zu erwirken.

Güterverkehrskonzept 
Vorarlberg liegt Abseits des hochrangigen europäischen TEN-Netzes (Kernnetz) und an einer EU-Außengrenze mit besonderen Rahmenbedingungen bei der Grenzabfertigung. Technologische Entwicklungen, der Online-Handel und die dadurch steigenden Mengen bei den Kurier-, Express- und Paketdiensten haben zudem in den letzten Jahren den Güterverkehr verändert. All dies sowie die Herausforderungen während der Corona-Krise verdeutlichen die notwendigkeit einer Güterverkehrsstrategie für das Bundesland, wenngleich das Land Vorarlberg selbst nur in einigen Bereichen Handlungsträger ist. Gemeinsam mit Vertretern der transportierenden und verladenden Wirtschaft gilt es daher ein Konzept zur Optimierung des Güterverkehrs in Vorarlberg zu erarbeiten. Ziel ist der effiziente und nach Möglichkeit klimaschonende Transport von Gütern. Aus dem Konzept werden wiederrum konkrete Maßnahmen zur Flächensicherung, zur weiteren Stärkung des Bahngüterverkehrs sowie zur Pptimierung der Zollabwicklung abgeleitet und entsprechende Pilotprojekte initiiert.

Öffnung der Grenzen
Die jährlichen Exportrekorde der Vergangenheit werden heuer aufgrund der Corona-Krise trotz intensiver Bemühungen der Bundes- und Landesregierung zur Stabilisierung der Wirtschaft nicht erreicht werden können. Die schrittweise Erholung der Wirtschaft wird Prognosen zufolge in der zweiten Jahreshälfte einsetzen und auch wenn während der Krise der Warenverkehr und -austausch großteils sichergestellt werden konnte, die geschlossenen Grenzen unterbinden nicht nur persönliche Kontakte, sondern sind auch Gift für die Wirtschaft. Die für Juni angekündigten Grenzöffnungen mit Deutschland und der Schweiz sind deshalb ein wichtiges Signal.



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