Foto: Mauche

Den Aufschwund bestmöglich unterstützen

Die Vorarlberger Wirtschaft ist 2019 gemäß WIFO Hochrechnung gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent gewachsen. Damit lag Vorarlberg auf einem soliden Kurs. Das erste Quartal 2020 war aufgrund der COVID-19-Pandemie und den einhergehenden Maßnahmen ab Mitte März von einem kräftigen nationalen Wachstumsrückgang von -2,9 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 geprägt.

VON LR MARCO TITTLER

Die Wirtschaft wurde von der Krise zweifelsohne hart und ohne Vorbereitung getroffen. Um dieser außerordentlichen Situation gerecht zu werden und zielgerichtet zu unterstützen, wurde ein breiter Mix aus kurz- und mittelfristigen Maßnahmen gesetzt. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die wirtschaftlichen Folgen möglichst schnell und effektiv zu mildern, Arbeitsplätze zu sichern und Unternehmen zu erhalten. Neben einem Soforthilfepaket inklusive Härtefall-Fonds und Mittel für die Kurzarbeit beinhaltet das Maßnahmenbündel auch Garantien und Haftungen zur Kreditabsicherung, Hilfen für Branchen, die besonders hart getroffen wurden, Fixkostenzuschüsse sowie die Möglichkeit zu Steuerstundungen. Aufbauend auf das vom Bund angekündigte Hilfsprogramm für die österreichische Wirtschaft hat auch die Vorarlberger Landesregierung entsprechende Maßnahmen gesetzt und stellt aus eigenen Mitteln bis zu 100 Millionen Euro zur Bekämpfung der Coronakrise bereit. Die Unterstützung seitens des Landes soll dort greifen, wo die Hilfe des Bundes nicht oder nur unzureichend unterstützt. Einrichtungen wie das AMS, die Wirtschaftskammer, die Sozialversicherungen und weitere Partner bieten ihrerseits konkrete Hilfen und Unterstützungsleistungen an. Eine vollständige Übersicht über die Hilfsmaßnahmen beinhaltet der „Bericht betreffend die Schaffung eines Maßnahmenpakets in Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus COVID-19“ der Vorarlberger Landesregierung vom Juni, welches auch auf der Website des Landes unter www.vorarlberg.at/corona nachgelesen werden kann. 

Die Auswirkungen des wirtschaftlichen Shutdowns werden Vorarlberg aber noch länger beschäftigen. Denn obwohl Österreich als eines der ersten europäischen Länder seine Einschränkungen aufgrund der erfolgreich angeschlagenen Maßnahmen bereits wieder lockern konnte, führte der Shutdown zu einem deutlichen konjunkturellen Einbruch.

Nach der Schadensbegrenzung geht es deshalb in einem nächsten Schritt um strategische Weichenstellungen und eine zukunftsfitte Ausrichtung des Wirtschaftsstandorts unter Berücksichtigung der neuen Erfahrungswerte der letzten Wochen und Monate. Es geht darum, die heimische Wirtschaft beim Hochfahren bestmöglich zu unterstützen und eine wirtschaftliche Resilienz aufzubauen. Dabei sind drei Punkte besonders hervorzuheben:

• Aufschwung:
Die Wirtschaft fährt wieder hoch. Welche Rahmenbedingungen sind dafür notwendig und verhindern einen erneuten Lockdown?

• Arbeitsmarkt: 
Insbesondere der Arbeitsmarkt braucht Unterstützung. Das Kurzarbeitsmodell zeigt zwar Wirkung, Ziel ist es aber, nach dem Auslaufen möglichst viele Menschen wieder in die Regelbeschäftigung zu überführen und strukturelle Arbeitslosigkeit zu verhindern.

• Impulse:
Mit dem Ende des Lockdowns und dem Wiederhochfahren der Wirtschaft braucht es Impulse und Maßnahmen, um die Konjunktur wieder in Gang zu bringen.

Gerade in der Krise zeigt sich die Bedeutung jedes Arbeitsplatzes sowie einer robusten, standorttreuen und innovativen Vorarlberger Wirtschaft. Dies gilt es auch bei künftigen Diskussionen und Entscheidungen um standortrelevante Infrastrukturprojekte oder Betriebserweiterungen nicht aus den Augen zu verlieren.

Investitionen und Innovationen sind der Treibstoff der Konjunktur. Es gilt deshalb nun vorrangig Zukunftsprojekte mit entsprechender regionaler Wirkung zu forcieren und zu unterstützen. Solche Projekte zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie sich positiv auf die regionale Wertschöpfung und Beschäftigung auswirken und damit den Aufschwung der Vorarlberger Wirtschaft unterstützen. Zur Stärkung der heimischen Wirtschaft wurde daher ein umfangreiches Vorarlberger Impulsprogramm auf die Beine gestellt mit dem Ziel, den Aufschwung zu unterstützen, den Arbeitsmarkt zu stärken und Anreize zu bieten, damit die Konjunktur wieder anzieht. Seitens der Vorarlberger Landesregierung wurden daher ein Impulsprogramm mit einer Gesamtsumme von bis zu 60 Millionen Euro definiert, das genau hier ansetzen wird.

Auch im Bereich der Präventionsmaßnahmen gibt es Unterstützung durch das Land. Die Unternehmen haben bewiesen, dass sie vorbildlich und sehr diszipliniert alle erforderlichen Maßnahmen umsetzen – von Hygiene- und Abstandsregeln, über Regeln für Absonderungen bis hin zur Nachverfolgbarkeit von Infektionsketten. Die Fülle an Maßnahmen und Empfehlungen ist recht umfangreich. Um diese Informationen einfach und kompakt zugänglich zu machen, wurde vor wenigen Tagen wurde eine Übersicht mit aktuelle Empfehlungen zum Corona-Infektionsschutz veröffentlicht. Das neue Handbuch soll hier als zusätzliche Hilfestellung dienen.

Auf 24 Seiten wird im Handbuch auf alle wesentlichen Bereiche eingegangen – neben den ganz individuellen Schutz- und Hygienemaßnahmen auch auf spezifischere Sicherheitsvorkehrungen etwa bei Besprechungen, Sitzungen oder Veranstaltungen bzw. Maßnahmen räumlicher oder organisatorischer Natur, Urlaubsregelungen, die Abwicklung von Screening- und Test-Angeboten, im Bedarfsfall auch die Einsetzung eines Krisenteams oder die Vorgehensweise bei Verdachts- und Erkrankungsfällen im Unternehmen.

Ebenso enthalten sind Informationen zum Testangebot für Betriebe. Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden einen Test anbieten wollen, erhalten vom Land besondere organisatorische Unterstützung. Unter der Email-Adresse soc@lwz-vorarlberg.at können Betriebe Gutschein-Codes für Testungen anfordern, mit denen Mitarbeitende online auf www.vorarlberg.at/coronatest einzeln in Röthis einen für sie passenden Termin vereinbaren können. Der Betrieb erhält im Nachgang eine Sammelrechnung. Das Handbuch steht auf der Website des Landes zum Download bereit.

Neben der Corona-Krise und dem damit einhergehenden Impulsprogramm ist es auch wichtig, auf das Land zugeschnittene und zukunftsfitte Schwerpunkte aus dem Regierungsprogramm umzusetzen. Denn die hohe Innovationsdynamik der Vorarlberger Wirtschaft, eine überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft der Menschen, die Fähigkeit, sich schnell auf neue Situationen einzustellen und die hohe Kreativität bei der Entwicklung neuer Lösungen wird uns dabei unterstützen die Krise zu überwinden und bald an das Vorkrisenniveau anzuschließen.  



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