Aussenhandel Vorarlberg

Landesstatthalter und Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser über die Entwicklung und Bedeutung der Vorarlberger Exportwirtschaft.

Im Jahr 2004 wurden aus Vorarlberg Waren im Wert von ca. 5,4 Millarden euro exportiert. Vor wenigen Wochen konnte das Land Vorarlberg gemeinsam mit der Wirtschaftskammer das vorläufige Ergebnis für das erste Halbjahr 2018 präsentieren: Es betrug stolze 5,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das Burgenland erzielte im gleichen Zeitraum ca 1,2 Milliarden Euro, das ungleich größere Wien 9,6 Mrd Euro und unser Nachbarbundesland Tirol 6,4 Milliarden. Die Vorarlberger Wirtschaft trug somit 6,9 Prozent zu den gesamten österreichischen Exporten bei, der Bevölkerungsanteil liegt bei ca. 4,4 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2004 betrug das Wachstum somit fast 100 Prozent. 
Gleichzeitig gilt, dass jeder zweite Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Export abhängt. Das bestätigt sich beim Blick auf den Arbeitsmarkt. Mit Ende Dezember 2018 waren in Vorarlberg über 170.000 Personen unselbstständig beschäftigt. In den vergangenen 15 Jahren ist diese Zahl um rund 30.000 angewachsen, das entspricht in etwa der der Bevölkerungszahl von Feldkirch. Auch die Arbeitslosenrate ist trotz deutlich gewachsener Bevölkerung auf dem niedrigsten Stand seit 15 Jahren. 
Die Möglichkeit, ohne Hemmnisse und Beschränkungen die eigenen Produkte zu vermarkten, haben viele Unternehmer als Chance begriffen und erfolgreich genutzt. Rund 78 Prozent der Exporte gehen in andere EU und EFTA Staaten. Die Vorarlberger Unternehmen und ihre Mitarbeiter haben es geschafft, sich mit viel Mut und Innovationskraft erfolgreich auf den internationalen Märkten zu positionieren und durchzusetzen. Die hohe Bedeutung der Exportwirtschaft steht wohl außer Zweifel, denn wie die Zahlen eindrucksvoll belegen, trägt die starke Exportleistung wesentlich zur Sicherung des Wohlstands bei. 

Karlheinz Rüdisser<br>Landesstatthalter
Karlheinz Rüdisser
Landesstatthalter

Botschafter und Visitenkarte 
Doch die starke Exporttätigkeit der heimischen Wirtschaft hat noch einen weiteren Effekt: Die Unternehmen tragen ein Stück Vorarlberg in die Welt, sie sind Botschafter und Visitenkarte. Produkte, die hier entwickelt und hergestellt werden, sind auf der ganzen Welt zu finden. Unsere Unternehmen haben ein hervorragendes Image und zählen in puncto Qualität, Innovationskraft, Know- How sowie Verlässlichkeit zur Weltspitze. Und so ist es nicht verwunderlich, dass neben Produkten und Dienstleistungen auch Erfolgskonzepte wie z.B. die duale Ausbildung „exportiert“ werden. Mit einem Augenzwinkern könnte man anmerken, dass wir das ja bereits stellenweise aus Österreich kennen. 
Zurück zu den Exporten: Das Noch-Mitgliedsland Großbritannien hat sich entschieden den gemeinsamen Wirtschaftsraum zu verlassen. Im ersten Halbjahr 2018 betrug der Anteil der Exporte nach Großbritannien ca. 146,5 Millionen Euro oder 2,8 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 5,8 Prozent. Im britischen Parlament wurde unlängst der Brexit-Deal abgelehnt, wie es nun genau weitergeht, ist derzeit noch unklar. Klar ist jedoch, dass das Vertrauen unter den unklaren Verhältnissen und den langen Verhandlungen leidet, auch die meisten Wirtschaftsprognosen zeichnen bei einem „harten Brexit“ ein eher negatives Bild. Es bleibt zu hoffen, dass hier noch rechtzeitig eine vernünftige Lösung zwischen EU und Großbritannien gefunden werden kann. Der Anteil der Importe aus Großbritannien ist übrigens deutlich geringer. Im ersten Halbjahr 2018 waren es mit ca. 35,6 Millionen Euro ca. 0,9 Prozent aller Importe – das sind Minus 8 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017. 

Starke Vernetzung 
Um die genannten Zahlen besser einordnen zu können: Nach Deutschland, unserem wichtigsten Handelspartner, wurden 1,56 Milliarden Euro (+ 6,7 Prozent) exportiert, gefolgt von der Schweiz mit 596 Millionen Euro (+ 0,1 Prozent) und Italien mit ca 320 Millionen Euro (+ 13 Prozent). Die Summe der Ausfuhren in die EU-Staaten stieg um 8,1 Prozent auf 3,26 Milliarden Euro. Einen großen relativen Anstieg gab es bei den Exporten nach Afrika (+ 29,2 Pro- zent) bei einem Volumen von ca 168 Millionen Euro. Starke relative Rückgänge gab es nach Amerika (ohne USA und Kanada; - 43,2 Prozent) wobei die Zahl erst im Vorjahr um 41,3 Prozent – und somit fast in selber Höhe – gestiegen war. Erwähnt werden muss ebenfalls noch ein Rückgang um 21,9 Prozent auf rund 70 Millionen Euro in die GUS, wobei diese Entwicklung im Zusammenhang mit den Handelssanktionen zu sehen ist. Auch an diesen Zahlen und den genannten Zielregionen zeigt sich die starke Vernetzung Vorarlbergs mit der Welt.
Im Mai diesen Jahres werden wir in der Europawahl auch wieder ein neues Parlament wählen. Wir stehen ohne Zweifel vor einigen Herausforderungen und viele davon, wie beispielsweise Umwelt- und Klimapolitik über Migration bis zu Datenschutz, lassen sich nur oder jedenfalls deutlich besser und sinnvoller in größerem Rahmen lösen. Auch steht außer Frage, dass die EU auf internationaler Ebene eine deutlich stärkere Position hat als Österreich alleine. Wichtig ist es deshalb, dass wir innerhalb der Gemeinschaft starke Mitbestimmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten haben. Und hier hat Österreich in der Vergangenheit schon oft bewiesen, dass durch geschickte Verhandlung und Partnerschaften vieles erreicht werden kann. Aus Sicht der Vorarlberger Wirtschaft bleibt jedenfalls zu hoffen, dass auch weiterhin die Märkte für Innovationen und Qualitätsprodukte aus Vorarlberg offenbleiben bzw. neue erschlossen werden.



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