Foto: Paul Gruber

„Der Erfolg des Tourismus ist ein Ergebnis vieler Faktoren“

Bundesministerin Elisabeth Köstinger im Interview mit der Vorarlberger Wirtschaft über den Masterplan für Tourismus, Maßnahme zur Absicherung der touristischen Wettbewerbsfähigkeit, den digitalen Herausforderungen für die Branche sowie über das Allzeitthema „Fachkräftemangel“.

Sie beschäftigen sich mit einer zukunftsorientierten Strategie für den österreichischen Tourismus. Was sind die wesentlichsten Punkte des „Plan T – Masterplan für Tourismus“?
Österreich ist ein hochangesehenes und beliebtes Urlaubsland und seit Jahren unter den Top 15 Tourismusländern weltweit. Dieser Erfolg ist ein Ergebnis vieler Faktoren. Unsere Aufgabe als Tourismusministerium ist, diese Entwicklung bestmöglich zu unterstützen. Nach der notwendigen Entlastung auf betrieblicher Ebene durch die Senkung der Umsatzsteuer auf Nächtigungen von 13 auf 10 Prozent brauchen wir eine breit diskutierte Gesamtstrategie zur Zukunft des österreichischen Tourismus. Darum arbeiten wir mit Nachdruck an unserem „Plan T –Masterplan für Tourismus“. Darin beschäftigen wir uns sowohl mit strategischen Ansätzen zur besseren Sichtbarmachung von touristischen Entwicklungen, also etwa mit den Themen Marketing, Finanzierung, touristische Indikatoren und Digitalisierung, als auch mit Grundbedürfnissen der Tourismusbranche wie Arbeitsmarkt, Ausbildung und touristische Rahmenbedingungen. Darüber hinaus soll der Nachhaltigkeitsaspekt im Tourismus eine Rolle spielen. Wir prüfen das Potenzial einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Kulinarik und Tourismus und behandeln die Themen nachhaltige Mobilität und Energie, zu denen bereits viele Projekte existieren.

Mit der Senkung der Umsatzsteuer auf Übernachtungen von 13 auf 10 Prozent ist ein erster Schritt gesetzt. Welche weiteren müssen folgen, um den Tourismusstandort Österreich im internationalen Wettbewerb abzusichern?
Um international langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, setzen wir weiterhin auf Qualität– nicht nur beim Ausbau der Hardware, sondern auch bei der Ausbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit sämtlichen Stakeholdern eng kooperieren und Angebot und Nachfrage noch näher zusammenführen. Außerdem stellen wir uns und der gesamten österreichischen Tourismuswirtschaft genau diese Frage im Plan T. Dazu werden in allen Bundesländern Workshops stattfinden, wo wir alle zum Mitdiskutieren einladen.

Für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung unserer Bergwelt ist es notwendig, große von Investoren getragene Hotelprojekte zu unterbinden, damit keine Monsterprojekte mit vielen Ferienwohnungen und wenig Hotel- und Gastronomie entstehen. Hat unser Tourismusministerium dazu eine Strategie?
Für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung des Tourismus vor Ort ist es notwendig, dass Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam an einem Strang ziehen. Der Bund handhabt die Förderung von Neubauprojekten äußerst restriktiv – statt der Unterstützung von Neubauten setzen wir einen klaren Schwerpunkt auf die Qualitätsverbesserung und Betriebsgrößenoptimierung bei bestehenden Hotel- und Gastronomiebetrieben.

Die Digitalisierung ist auch im Tourismus längst ein zentrales Thema. Welche Pläne verfolgt hier ihr Ressort?
Der Tourismus erlebt mit der Digitalisierung einen enormen Umbruch. Es entstehen neue Geschäftsmodelle und bestehende Konzepte müssen angepasst werden. 2017 wurde eine Digitalisierungsstrategie für den österreichischen Tourismus erarbeitet – sieben innovative Leuchtturmprojekte haben auch schon insgesamt eine Million Euro an Förderungen erhalten. In Kooperation mit dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort konnte zudem erstmals das Förderprogramm „Forschungskompetenzen für die Wirtschaft“ für den Tourismus geöffnet werden. Unser Anspruch ist ganz klar in Bezug auf Digitalisierung im Tourismus eine Vorreiterrolle einzunehmen. Um das zu erreichen, arbeiten wir sehr eng mit dem BMDW zusammen und widmen diesem Thema in Zukunft sehr viel Aufmerksamkeit.

Wie stehen Sie dazu, Dienstleistungsberufe, die bei der technischen Entwicklung nicht mitmachen können, steuer- und abgabenmäßig zu entlasten, damit Berufe im Tourismus oder in der Pflege attraktiv bleiben?
Es ist richtig, dass wir Dienstleistungsberufe attraktiver gestalten müssen, wenn wir auch in Zukunft ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen wollen – das gilt für den Tourismus, aber auch für alle anderen Dienstleistungsbranchen. Gerade deshalb haben wir im Regierungsprogramm beschlossen, den Faktor Arbeit im Steuer- und Abgabenbereich nachhaltig zu entlasten.  

Der Fachkräftemangel erfordert neue, ungewöhnliche Maßnahmen. Wir gehen mit der GASCHT (Gastgeberschule für Tourismusberufe) in Vorarlberg diesen neuen Weg. Die Unterstützung von Seiten des Bundes ist aber eher bescheiden. 
Ich begrüße alle Initiativen, die mit innovativen Ideen die Ausbildung für den Tourismus modernisieren und das Image von Tourismusberufen verbessern. Der Bund ist sich der Herausforderungen am touristischen Arbeitsmarkt bewusst und setzt entsprechende Maßnahmen. In erster Linie über das Arbeitsmarktservice – aber auch mein Ressort setzt mit Aktionen wie „Get a Job – deine Chancen im Tourismus“ und weiteren Image- und Informationskampagnen wichtige Schritte.

Sie sind selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen. Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus noch weiter verbessert werden?
Diese Zusammenarbeit läuft immer besser. Sie ist für alle Beteiligten von Vorteil – nicht nur, weil es sich sowohl für den Tourismus als auch für die Landwirtschaft lohnt, sondern auch, weil Gäste die Qualität und Herkunft von Lebensmitteln immer mehr zu schätzen wissen. Wie wir in Zukunft noch enger zusammenarbeiten können, untersuchen wir im „Plan T“. Kulinarik wird dabei jedenfalls eine zentrale Rolle spielen. Es ist ein großer Vorteil, dass wir die Kompetenzen für diese Themen in unserem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus gebündelt haben.

Danke für das Gespräch!

Zur Person 
Elisabeth Köstinger wurde am 22. November 1978 in Kärnten geboren und wuchs auf einem kleinen landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Sankt Paul im Lavanttal auf. 2009 wurde sie als Abgeordnete zum Europäischen Parlament gewählt, wo sie bis 2017 Landwirtschafts-, Umwelt- und Frauensprecherin der ÖVP-Delegation war. Von 2011 – 2017 war sie stellvertretende Delegationsleiterin der ÖVP-Delegation im Europäischen Parlament, ab 2014 auch Vizepräsidentin der Europäischen Parlamentarischen Gesellschaft. Köstinger war Präsidentin des Ökosozialen Forums Europa und Vizepräsidentin des Ökosozialen Forums Österreich. Im Mai 2017 wurde sie Generalsekretärin der Neuen Volkspartei und im selben Jahr in den Nationalrat sowie zur Nationalratspräsidentin gewählt.
Seit 18. Dezember 2017 ist Elisabeth Köstinger Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus. Die Zuständigkeiten des Ressorts umfassen Land- und Forstwirtschaft, Umwelt, Klimaschutz, Energie und Bergbau, Tourismus und Regionalpolitik. 
 



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