Im Gespräch: Hans Peter Metzler

"Wir arbeiten mit Hochdruck an weiteren Hilfsmaßnahmen für die Wirtschaft"

Sie haben als Präsident der WKV sehr rasch reagiert, leiten den sofort eingerichteten Krisenstab. Wie kann man sich das vorstellen?
Mit COVID-19 erleben wir die größte Krise seit vielen Jahrzehnten. Es ist unsere Verantwortung und Pflicht, den Vorarlberger Unternehmerinnen und Unternehmern jetzt zur Seite zu stehen, sie aktiv zu unterstützen und Lösungen zu erarbeiten. Daher haben wir uns für die Schaffung eines Krisenstabes entschieden, um effizient und rasch handeln zu können. Dazu finden tägliche Abstimmungen im Steuerungsboard statt. Wir sind auch im regelmäßigen Austausch mit den verschiedenen Untergruppen, die wir dazu gebildet haben. Intensiviert haben wir zudem die Kommunikation mit unseren Mitgliedern und mit der Öffentlichkeit.

Sind sie auch in Abstimmung mit den Kollegen der anderen Bundesländer, der Bundesleitung rund um WKÖ-Präsident Harald Mahrer?
Auch auf dieser Ebene zählt mehr denn je eine gute interne Kommunikation und Vernetzung. So konnten wir innerhalb der Sozialpartnerschaft in kürzester Zeit das Modell zur Kurzarbeit entwickeln, um Betriebe und Arbeitsplätze zu sichern und uns bei der Erarbeitung des Maßnahmenpaketes der Bundesregierung konstruktiv einbringen. Die Bundesregierung konnte hier auf unsere Expertise zählen.

Stichwort: Unternehmenshilfe - Was genau kann die Wirtschaftskammer jetzt für ihre Mitglieder tun?
Neben einer Corona-Kurzarbeitsregelung, Überbrückungsgarantien, Haftungen, Direktkrediten sowie Steuer- und Abgabenstundungen wird derzeit auch ein Erste-Hilfe-Fonds zur Unterstützung bei Lebenshaltungskosten vor allem für EPU, Kleinstunternehmen, freie Dienstnehmer und Non-Profit-Organisationen vorbereitet und ausgerollt.
Im 38 Milliarden Euro schweren Hilfspaket der Bundesregierung sind neben dem Härtefallfonds auch andere Instrumente vorgesehen. Hier den mittleren Unternehmen zur Seite zu stehen und ihnen zu helfen, die Corona-Krise zu überstehen, ist ein ganz wesentlicher Schritt und er ist eine wichtige Ergänzung zum Härtefallfonds, der kein Entschädigungsfonds für entgangene Umsätze ist. Wir haben ein gemeinsames Ziel: Existenzen zu sichern. Der Härtefallfonds ist eine persönliche Erste-Hilfe-Maßnahme. Zusätzlich dazu und den bereits bestehenden Kreditgarantien durch das aws und die ÖHT, steht nun mit dem 15 Mrd. Euro-Notfallfonds ein Instrument für Betriebe mit Geschäftsentgängen zur Verfügung. Gelder sollen ab Mitte April fließen. Die Wirtschaftskammer Vorarlberg wird zudem gemeinsam mit dem Land Haftungen für Mikrokredite übernehmen und damit für zusätzliche Liquidität sorgen.

Die Wirtschaftskammer geht auch selbst mit gutem Beispiel voran - Vorschreibungen?
Wir wollen einen direkten Beitrag leisten, um die Zahlungsengpässe unserer Mitglieder aufgrund der Corona-Krise zu lindern. Zudem arbeiten wir mit Hochdruck an weiteren finanziellen Hilfen für unsere Betriebe. Damit greifen wir unseren Unternehmerinnen und Unternehmern in dieser Ausnahmesituation ganz konkret unter die Arme. Vorschreibungen für das Jahr 2020 sind noch nicht erfolgt.

Wie sieht die Zusammenarbeit auf Landesebene aus?
Auch hier funktioniert sie sehr gut. Ich bin im regelmäßigen Austausch mit LH Markus Wallner und LR Marco Tittler. Im Schulterschluss mit den Vorarlberger Sozialpartnern und den regionalen Banken konnten wir uns auf ein Maßnahmenpaket für die heimische Wirtschaft und die Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer verständigt. In einem ersten Schritt wird ein Vorarlberger Soforthilfefonds gegründet, der mit rund zwölf Millionen Euro dotiert ist. Es ist ein weiteres Sicherheitsnetz für unsere Unternehmen.

Die Hotline der WKV war in den letzten Tagen die Drehscheibe…
Die Servicekanäle der Wirtschaftskammer Vorarlberg laufen derzeit auf Hochbetrieb. Auch an Wochenenden sind wir erreichbar. Alle Anfragen werden bearbeitet, aber wir bitten um Verständnis, wenn es zu Wartezeiten kommen kann. Über 50.000 Anrufe haben uns bislang erreicht. Unsere Mitarbeiter/-innen in den Serviceabteilungen tun, was sie können, bekommen von den Unternehmerinnen und Unternehmern aber dafür auch positive Rückmeldungen. Die große Mehrheit der Anrufer reagiert positiv und dankbar, dass sie kompetente Auskünfte erhalten. Dafür ein großes Danke.

Auch in den Sparten wurden task forces gebildet?
Ja, in enger Abstimmung mit dem Steuerungsboard. Es geht darum, branchenspezifische Problemstellungen zu lokalisieren und schnellstmöglich zu handeln. In einer ersten Phase war ein zentral gesteuertes Vorgehen über den Krisenstab wichtig, nun sollen die branchenspezifischen Herausforderungen und Probleme über die Fachorganisationen noch stärker angegangen werden. Einzelne Branchen und Wirtschaftsbereiche leiden besonders stark unter den Einschränkungen und Schließungen. Wir müssen für alle Zeithorizonte Strategien für diese Branchen entwickeln.

Todgesagte leben länger. Sie Sozialpartnerschaft funktioniert.
Den Sozialpartnern und der Regierung war der Ernst der Lage bewusst. In nur drei Stunden stellten Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Gewerkschaft ein Kurzarbeitsprogramm auf die Beine, das vielen Unternehmen helfen wird, zu überleben. Dass Österreich schon die Finanzkrise ohne katastrophale wirtschaftliche Folgen durchtauchte, war damals hauptsächlich der staatlich geförderten Kurzarbeit zu verdanken. In Vorarlberg hat die Sozialpartnerschaft immer schon funktioniert. Die Kritiker müssen nun einsehen, dass es auch bundesweit funktioniert, besser gesagt ohne die Sozialpartnerschaft nicht geht. Wie hat es der Standard-Journalist Gerald John doch so punktgenau definiert: „Die federführende Rolle der Sozialpartner passt so gar nicht zum seit einem Vierteljahrhundert regelmäßig anschwellenden Abgesang.“

Die Wirtschaftskammer wurde von der Bundesregierung mit der Abwicklung des Härtefall-Fonds betraut - was ist hier der Zwischenstand?
Wir liegen derzeit bei über 4.000 Anträgen. Über 90 Prozent davon konnten wir bereits ausbezahlen bzw. zur Auszahlung freigeben. Wir zeigen damit, dass die Wirtschaftskammer schnell und unbürokratisch agiert.

Sie sind auch persönlich betroffen, haben 40 Mitarbeiter in Ihrem Hotel im Romantik Hotel „Das Schiff“ in Hittisau. Wie geht es ihnen als Unternehmer?
Ich denke, wie allen anderen auch. Die Situation ist angespannt, aber bewältigbar. Auch für uns heißt es jetzt für Zeit nach der Krise vorzubeugen. Die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung, aber auch die ÖHT-Maßnahmen sind gerade für unsere Branche immens wichtig.

Sie gelten als Mutmacher. Wie sieht ihr Schlussapell aus?
Wann diese Krise endet und wie unsere Wirtschaft in der Zukunft aussehen wird, ist heute noch nicht absehbar. Doch Szenarien, wie sie der Zukunftsforscher Matthias Horx (Die Welt nach Corona) skizziert, machen uns Mut. Er beschreibt ein System, das wir in Vorarlberg bereits seit Jahrzehnten verfolgen: Er spricht von einer Wirtschaft, die von Regionalität, Kooperation und Wertschätzung geprägt sein wird. Ich erkenne in diesem Bild unsere Wirtschaft - auf
Vorarlberger Art. Das macht mich optimistisch und motiviert. Gemeinsam schaffen wir das.

Danke für das Gespräch!



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