Foto: Martin Lusser

"Bisher ist noch keine einzige Stunde aufgrund eines Lehrermangels ausgefallen"

Bildungsminister Heinz Faßmann im Gespräch über Schutzmaßnahmen an den Schulen, Neuerungen bei der Matura und das Dauerthema „Lehrer-Mangel“.

Seit 18. Mai sind die Schulen wieder offen. Wie funktionieren dort die Schutzmaßnahmen?
Ich habe Zuversicht und Optimismus an den Tag gelegt und ich bin mit dem stufenweisen Wiederöffnen der Schulen sehr zufrieden. Ich habe mir jeweils selbst ein Bild vom anlaufenden Schulbetrieb gemacht und ich habe einen normalen Schulbetrieb vorgefunden. Zumindest einen fast normalen. Die Schülerinnen und Schüler sind mit ganz gehörigem Respekt in die Schulen gekommen und haben sich an die Regeln gehalten, die wir vorgeschlagen haben. Einige wurden sogar übererfüllt. Ich habe aber bereits mehrmals betont, dass die Lehrerinnen und Lehrer mit Hausverstand agieren sollen. Bei den Unter-Zehnjährigen kann man hier sicher toleranter vorgehen, insbesondere dann, wenn man sich in einer Schule befindet, mit einer großen Fläche und mit einer geringen Dichte.

Sie haben angekündigt, dass die Matura nie mehr die alte sein wird. Warum planen sie jetzt Änderungen?
Eine der wesentlichsten Neuerungen bei der heurigen Matura liegt in der Form der Benotung. Heuer werden erstmal auch die davor erbrachten schulischen Leistungen miteinbezogen. Diese Praxis ist international durchaus üblich und wir nützen jetzt die Gunst der Stunde, um hier gleichzuziehen. Ich hatte schon länger eine gewisse Sympathie dafür. Immerhin geht es bei der Matura um ein Zertifikat, das die Reife einer Person beurkunden soll, und nicht darum, ein punktuelles Ereignis zu dokumentieren. Insofern ist die gemeinsame Bewertung der Abschlussnote der letzten Klasse und der Maturaleistung logisch und sinnvoll. Jetzt gilt es aber einmal, die Erfahrungen des diesjährigen Jahrgangs abzuwarten und dann werden wir weitersehen.

Inwieweit sind diese Änderungen mit der Zentralmatura vereinbar?
Der große Druck, der auf den jungen Menschen lastet, an einem einzelnen Tag Top-Leistungen zu erbringen, wird durch die Einrechnung der Jahresnoten abgefedert. Und diese Einrechnung ist auch mit der Zentralmatura vereinbar. Wesentliche Eckpfeiler der Zentralmatura bleiben erhalten, wie etwa Fairness durch gleiche Aufgabenstellungen, Objektivität in der Beurteilung durch zentral vorgegebene Korrektur- und Beurteilungsanleitungen und Transparenz in der Erstellung der Aufgaben und in der Notenfindung. Wenn man sich zurückbesinnt, was die Intention der Zentralmatura war – nämlich sicherzustellen, dass Kandidatinnen und Kandidaten ein gewisses Leistungsniveau erreichen und dass Lehrplaninhalte auch vollständig vermittelt werden –, dann ist davon auszugehen, dass dies auch bei einer Einrechnung der Jahresnote der Fall sein wird.

Die Corona-Krise hat zu einer verstärkten Digitalisierung an den Schulen geführt. Es hat also eine Krise gebraucht, um in dieser Sache aufs Tempo zu drücken. Wie sehen sie das?
Die Krise hat sicher dazu beigetragen, dass bestimmte Maßnahmen, die wir ohnehin bereits vorbereitetet hatten, viel schneller umgesetzt wurden als geplant. Ich muss aber sagen, dass der Umstieg auf das distance learning über weite Teile reibungslos funktioniert hat. Wir können sagen, es hat also seinen Praxistest bestanden. Es hat auch viele Lehrerinnen und Lehrer überzeugt. Auch jene, die zu Beginn dem digitalen Lernen skeptisch gegenüber gestanden sind. Jetzt geht es darum, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen und den gewonnenen Schwung auch in den Regelunterricht mitzunehmen.

Mit der Lehrergewerkschaft gab es die eine oder andere Meinungsverschiedenheit. Wurde da nicht viel Porzellan in der Öffentlichkeit zerschlagen?
Nein, das glaube ich nicht. Wir hatten einen unterschiedlichen Zugang zu einem Thema. Das ist nichts neues, das gab es in der Vergangenheit und wird es auch in Zukunft geben. Ich glaube, dass wir trotz allem eine gute Gesprächsbasis haben und dass wir gerade was den Unterricht an den Fenstertagen betrifft eine gute Lösung gefunden haben.

Der Lehrermangel bleibt eines der zentralen Probleme im Bildungsbereich. Was für Lösungsansätze gibt es für die nächsten Jahre?
Ich sehe noch keinen Grund zur Panik. Bisher ist noch keine einzige Stunde aufgrund eines Lehrermangels ausgefallen. In Fächern wie den Naturwissenschaften, Informatik oder Sport kann es aber in den nächsten Jahren zu Engpässen kommen. Wir arbeiten derzeit an einem Quereinstiegsmodell, um dieser Problematik entgegenzuwirken. Außerdem wird es eine Entlastung der Lehrerinnen und Lehrer durch zusätzliches Unterstützungspersonal geben. Das wird einerseits administratives Personal sein, aber auch mehr Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen.

Vielen Dank für Gespräch!



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