Foto: Markus Gmeiner

Im Gespräch: Gerhard Berkmann

"Verkehr und Umwelt dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden"
Interview mit dem Spartenobmann Transport und Verkehr Gerhard Berkmann.

Die Wahlkämpfe auf Landes- und Bundesebene sind Geschichte. In diesen wird immer wieder die Forderung nach einer flächendeckenden Lkw-Maut laut. Entbehrlich? 
Ja sehr, weil die Befürworter immer noch nicht verstanden haben, was die Konsequenzen sind. Eine flächendeckende Lkw-Maut einzuführen würde der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft massiv schaden und käme einem hausgemachten Standortnachteil gleich. Den internationalen Transitverkehr wird eine solche Ausweitung der Maut nicht abschrecken. Denn dieser Güterverkehr, der Österreich nur quert, ist ja nahezu ausschließlich auf Autobahnen und Schnellstraßen unterwegs, wo er jetzt schon Lkw-Maut zahlt. 

Sie träfe damit in aller härte die Falschen?
Definitiv, besonders stark betroffen wären nämlich regionale Wertschöpfungsketten, da der regionale Zulieferverkehr bisher großteils über nicht bemautete Straßen abgewickelt werden muss, denn weder Einzelhandelsgeschäfte noch Baustellen liegen in der Regel an der Autobahn, bzw. dem hochrangigen Straßennetz. Ebenso werden andere Ziele, nämlich die Verlagerung auf die Schiene, nicht erreicht. Das zeigt das Beispiel Schweiz, wo dies mit einer flächendeckenden Bemautung nicht erreicht werden konnte. Es fand aber eine andere Verlagerung statt, welche Mautbefürworter gern ausblenden: Mehr kleine Fahrzeuge wurden auf die Straße geschickt. 

Apropos Schiene. Mit dem Güterterminal in Wolfurt wurde in Vorarlberg ein wichtiges Infrastruktur- und Mobilitätsprojekt umgesetzt. Trotzdem braucht es noch mehr? 
Mit dem Ausbau des Güterterminals in Wolfurt und der damit einhergehenden Kapazitätssteigerung gewinnt die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene an Attraktivität und Bedeutung in Vorarlberg. Das neue Terminal alleine nützt allerdings nicht viel, solange das umliegende Bahnnetz nicht adaptiert ist. 

Das heißt konkret? 
Wir forcieren weiterhin den Ausbau der Arlbergstrecke und das ‚dritte Gleis‘ für Vorarlberg sowie die Ausweitung des Nadelöhres zwischen Bregenz und Lochau. Daran anschließend müssten auch unsere deutschen Nachbarn in ihre Bahninfrastruktur investieren, speziell in den bisher nicht elektrifizierten Abschnitten nach Norden zu den großen Seehäfen. 

Die Vorarlberger Transportwirtschaft hat sich intensiv in das Mobilitätskonzept des Landes Vorarlberg eingebracht.
Bereits im Vorfeld haben wir mit „Verbindungen für mehr Zukunft“ ein umfassendes Konzept vorgelegt. Zahlreiche darin formulierte Ideen und Vorschläge zu Maßnahmen und zentralen Handlungsfeldern wurden vom Land übernommen. Gerade in der Umsetzung muss jetzt aber auch weiterhin ein starker und vor allem gemeinsamer Fokus auf den wichtigen Infrastrukturprojekten sowie dem konsequenten Ausbau der Schieneninfrastruktur im Land liegen. Verkehr und Umwelt dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. 

Immer wieder wird mehr Koordination gefordert.
Ja, denn es bringt nichts, wenn jede einzelne Gemeinde mit eigenen Verkehrskonzepten nur bis zu den eigenen Zuständigkeitsgrenzen arbeitet. Eine Schlüsselrolle kommt deshalb vor allem einer zentralen Koordinationsstelle zu: Der „Mobilitätsbeauftragte des Landes“ – dessen Rolle von uns stark gefordert wurde – ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig, da es eine noch bessere Abstimmung und Koordinierung nicht nur im Land selbst, sondern vor allem auch auf europäischer Ebene braucht und brauchen wird.

Welche konkrete Projekte sollten aus ihrer sicht rasch in die Umsetzung kommen?
Ein Projekt von zentraler Bedeutung ist die S18. Während andernorts weiterhin auf Fahrverbote gesetzt oder mit ersten Tests dazu begonnen wurde, sind Fahrverbote hierzulande aufgrund der nicht vergleichbaren Herausforderungen schlicht obsolet: Das Hauptproblem ist der Transit in die Schweiz – und dem kann nur mit der Umsetzung des Straßenprojekts wirksam entgegnet werden. Zudem muss konsequent an der Umsetzung weiterer Straßeninfrastrukturprojekte wie dem Stadttunnel Feldkirch oder dem zukunftsfähigen Ausbau der A14 zur Stadtautobahn mit entsprechenden Anschlussstellen festgehalten werden. Begleitend ist eine dritte Spur und eine unteriridische Verlegung von Hochspannungsleitungen zu prüfen.

Das Thema Ökologie ist längst ein wichtiges Thema in der Transportwirtschaft.
Neben einer intelligenten Vernetzung der einzelnen Verkehrsträger und die Nutzung digitaler Technologien, die den Verkehrsfluss sicherer und effizienter machen, spielt die Ökologisierung des regionalen Verkehrs eine ganz entscheidende Rolle für die Zukunftsfähigkeit unserer Branche. 

Wie soll es gelingen, den Verkehr verträglich zu ökologisieren?
Es braucht eine gezielte Förderung alternativer, umweltfreundlicher Zukunftstechnologien und Verkehrsmittel, sprich CO2-neutraler Antriebe im Straßengüterverkehr. Solche sind ein wichtiger Impuls zur rascheren Marktdurchdringung. Auch dem zusätzlichen Ausbau des ÖPNV und dem betrieblichen Mobilitätsmanagement kommt hier eine große Bedeutung zu. Es braucht eine Umstiegsprämie für gewerbliche Nutzfahrzeuge, die hauptsächlich in Vorarlberg unterwegs sind, etwa im Verteiler- oder Vaustellenverkehr und bei Handwerksbetrieben. Zudem müssen besonders innovative Ansätze und Technologien berücksichtigt werden. Hier sollten bereits frühzeitig auch nicht absehbare Innovationssprünge und Technologien mitgedacht werden. Ich denke da etwa an Wasserstoff.
Die jahrelange einseitige Verbotskultur im Straßengüterverkehr hat gezeigt, dass auf diese Weise keine langfristigen und nachhaltigen Problemlösungen zu erzielen sind. Als Transportwirtschaft wünschen wir uns tragfähige und im Konsens erarbeitete Konzepte, die sowohl die Belange der Wirtschaft als auch die des Umweltschutzes entsprechend berücksichtigen. 

Es gilt aber auch weiterhin verstärktes Augenmerk auf die Verlagerung hin zur Schiene zu legen?
Die Blockabfertigung, wie sie in Kufstein praktiziert wird, hat deutlich gezeigt, wie wichtig die Verlagerung von Gütern auf die Schiene ist – der „unbegleitete, kombinierte Güterverkehr“ gilt als Logistikoption der Zukunft. Wie gesagt die langjährigen Forderungen nach dem Ausbau der Arlbergstrecke und einem „dritten Gleis“ in Vorarlberg werden wir strikt weiterverfolgen.

Vielen Dank für das Gespräch!



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