„Stempeltouristen“: Kritik von der Wirtschaft

Wirtschaftstreibende beklagen, dass immer mehr Arbeitssuchende gar nicht arbeiten wollen und nur vorstellen kommen, um sich berühmten „Stempel“ zu holen. AMS bestätigt Trend.

„Immer mehr Arbeitssuchende sagen schon bei der Vorstellung ganz offensiv, dass sie eigentlich gar nicht arbeiten wollen“, ortet Mario Pulker, der Fachverbandsobmann Gastronomie einen gesellschaftlichen Wandel am Arbeitsmarkt. „Ich selbst hatte es bei Bewerbern schon mit Ausreden zu tun wie ,Bei den Bandscheiben hat es mich schon‘ oder „Mein Knie tut schon sehr weh, ich würde gerne bei Ihnen anfangen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich in den Krankenstand gehe!‘“.
Für Pulker ist das allerdings kein Problem, das nur die Gastronomie betreffe. „Die Leute fragen sich, warum sie überhaupt arbeiten gehen sollen, wenn sie mit Sozialtransfers dasselbe erreichen können“, kritisiert der Gastwirt die Einstellung vieler Arbeitssuchender. „Die Sozialleistungen sind viel zu hoch, wir brauchen hier eine Deckelung.“

Das AMS bestätigt, dass der Stempeltourismus steigt. AMS-NÖ-Geschäftsführer Karl Fakler: „Heuer sind wir im ersten Halbjahr bei rund 2000 Fällen, 2015 waren es im gesamten Jahr nur etwas mehr als 3000.“ Fakler rechnet heuer mit etwa 4000 Fällen, „in denen wir eine Sanktion gemäß Paragraf 10 verhängen müssen, weil sich jemand nicht entsprechend arbeitswillig gezeigt hat.“ Die Strafen für „Stempeltouristen“ sind hoch: Ist jemand arbeitsunwillig, wird ihm vorübergehend für sechs Wochen das Arbeitslosengeld gestrichen, im wiederholten Fall sogar für acht Wochen.

Für Fakler sei der Stempeltourismus „moralisch, verwaltungsrechtlich und juristisch“ aber nicht akzeptabel: „Da sind wir seitens des AMS schon sehr heikel, denn auch wir arbeiten hart daran, dass die Arbeitssuchenden wieder einen Job kriegen und überlegen, welche Stelle für sie passen kann.“
Positiv verändert habe sich sowohl für die Wirtschaft, als auch für das AMS aber eines: Wenn die Vermittlung über das AMS geklappt hat, ist die Zufriedenheit mit den Arbeitnehmern gestiegen.



zurück zur Übersicht Drucken teilen
Diese Website benutzt Cookies um bestmögliche Funktionalität bieten zu können.Ich bin einverstanden