Zwazl präsentiert neues Internet-Tool gegen Fachkräfteengpass

Für die niederösterreichischen Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, geeignete Fachkräfte zu finden. In Niederösterreich wollen Land, AMS und Wirtschaftskammer mit dem Projekt „Fachkräftemonitor“ dieser Entwicklung gegensteuern.

Das Angebot an Arbeitskräften, also aller Personen im erwerbsfähigen Alter inklusiver jener, die beim Arbeitsmarktservice arbeitslos gemeldet sind, wird ungebrochen weiter steigen. Dies ist ein österreichweiter Trend, der – so die Prognosen der WirtschaftsforscherInnen – anhalten wird. Allein in Niederösterreich ist das Arbeitskräfteangebot in den letzten sechs Jahren um satte 28.618 Personen (oder 4,7%) auf insgesamt 636.144 im Jahr 2014 gestiegen. Für dieses Jahr rechnet das AMS mit einem weiteren Anstieg um 1,3% auf jahresdurchschnittlich 644.700 Personen, 2016 mit einem Plus von 1% oder etwa 6.500 Arbeitskräften.

Schulterschluss
Prognosen der demographischen Entwicklung (mehr Ältere, weniger Junge) lassen das Bild eines zukünftigen Fachkräftemangels entstehen. Hinzu kommt, dass es sich nicht wirklich abschätzen lässt, wie viele Fachkräfte tatsächlich in welchen Branchen und zu welchem Zeitpunkt fehlen bzw. gebraucht werden. Angesichts dieser Entwicklung ist es verständlich, dass es für niederösterreichische Betriebe immer schwerer wird, geeignete Arbeitskräfte zu bekommen.

„Wir haben bereits heute 6.000 Fachkräfte in NÖ zu wenig“, meint Landeshauptmann-Stv. Wolfgang Sobotka, „ 2020 werden es 36.000 sein. Klar ist: Aufschwung schafft Arbeit. Aber Aufschwung braucht auch Arbeitskräfte – nämlich Fachkräfte. Auf Basis der Fakten der Gegenwart und den Erfahrungen der Vergangenheit sollen mit dem Fachkräftemonitor-Szenarien des Arbeitsmarktes der Zukunft berechnet werden.“ Dadurch könnten Qualifizierungsprogramme für die Zukunft optimiert, Arbeitssuchende über den Bedarf zielgerichteter informiert und Unternehmen bei Betriebsansiedelungen und Erweiterungen besser beraten werden, so Sobotka.

Ähnlich argumentiert Niederösterreichs Wirtschaftskammer-Präsidentin und Landesgruppen-Obfrau Sonja Zwazl: „Fest steht, dass unsere Wirtschaft qualifizierte Fachkräfte braucht. Diese sind der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg!“ Gemeinsam haben deshalb Land Niederösterreich, AMS Niederösterreich und Wirtschaftskammer Niederösterreich das Projekt „Fachkräftemonitor“ gestartet. „Wir setzen damit einen wichtigen Schritt für den zukünftigen Erfolgsweg unseres Wirtschaftsstandorts - im Schulterschluss mit unseren Unternehmen“, so Zwazl.

Europäisierung des Arbeitsmarktes
Betroffen von der Arbeitslosigkeit sind vor allem Personen ohne abgeschlossene Ausbildung. So können 43,6% der Jobsuchenden in NÖ nicht mehr als den Pflichtschulabschluss vorweisen (AMS NÖ, Stand Ende Mai). „Die Europäisierung des Arbeitsmarktes und gesetzliche Veränderungen – zum Beispiel die Pensionsreform oder Zugangsbeschränkungen zur Invaliditätspension – haben zu einem deutlich erhöhten Angebotsdruck auf dem Arbeitsmarkt geführt“, erklärt AMS NÖ-Chef Karl Fakler. Zwar steigt in Niederösterreich auch die Zahl der unselbstständig Beschäftigten, zuletzt (Ende Mai) um 0,8% auf 591.967 Personen. „Aber das Arbeitsvolumen nimmt nicht im selben Umfang zu wie das Potenzial an verfügbaren Arbeitskräften. Steigende Arbeitslosigkeit ist die Folge“, so Karl Fakler.

Funktionsweise des Fachkräftemonitors: Mit Fakten Klarheit schaffen!
Der webbasierte Fachkräftemonitor (FKM) listet das Angebot entlang aller Ausbildungsstufen - vom Lehr- bis zum Uni-Abschluss - auf. Die Webapplikation ermöglicht Auswertungen je nach individueller Anforderung. Insgesamt können fünf verschiedene Dimensionen (Branche, Region, Qualifikation, Tätigkeit und Zeitpunkt) bei der Suche nach Informationen variiert werden.

Frei zugänglich
Der Fachkräftemonitor ist für alle Interessierten kostenfrei und frei zugänglich im Internet unter www.fachkraeftemonitor-noe.at sowie unter www.fachkraefte-noe.at und www.fkm-noe.at zu finden. Der Monitor wendet sich nicht nur an Unternehmen, sondern auch an alle arbeitsmarktpolitischen Entscheidungsträger, Sozialpartner und Bildungsanbieter. „Last but not least“ ist der Arbeitsmarkt auch für die Medien ein wichtiger Indikator für die Beurteilung wirtschaftlicher Entwicklungen, daher können sie sich mit Hilfe des Fachkräftemonitors selbst ein Bild machen.



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