Am Mittwoch, dem 21. Oktober 2009, war es auch für die Wiener Süd-Bezirke Favoriten (10.), Simmering (11.), Meidling (12.) und Liesing (23.) soweit. Die „Wirtschaft fordert Politik“-Tour des Wiener Wirtschaftsbundes machte ihre letzte Station zur Präsentation und Diskussion der Ergebnisse einer breit angelegten Unternehmerbefragung am künftigen Wiener Hauptbahnhof.
Im Mittelpunkt des Interesses des Abends stand sicherlich die Veranstaltungslokalität, das LX2. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Laxenburgerstraße 2, jene Adresse beim Südtirolerplatz, an welcher das erste Gebäude des neuen Wiener Hauptbahnhofs entsteht bzw. bald fertiggestellt ist.Dank Ing. Karl-Heinz Strauss, Geschäftsführer und Gesellschafter der Bauträgerfirma „Strauss und Partner Immobilien GmbH“, www.straussundpartner.at , konnten rund 100 Unternehmerinnen und Unternehmer aus den vier Südbezirken ganz exklusiv einen ersten Eindruck von diesem topmodernen Bürogebäude mit sieben Geschoßen und energieschonender Bauweise gewinnen. Das LX2 wird im Frühjahr 2010 an die ÖBB übergeben und soll u.a. auch das Hauptrechenzentrum der Bundesbahnen beherbergen. Ebenso imposant die vom Immobilienmanager der ÖBB, DI Claus Stadler und seinem Team vorgestellten Pläne und Schaumodelle des künftigen Hauptbahnhofs Wien (geplante Fertigstellung 2015) und die begleitenden Eckdaten: „8ha Betriebsfläche, 100 km Schienen, dreifacher TEN-Kontenpunkt, 5.000 Wohnungen, 550.000 m2 Büroflächen, 20.000 Arbeitsplätze, Shopping Center und zwei Milliarden Euro an privaten Investitionen“.
Spannend dann auch die Ergebnisse der Unternehmeranliegen. Zunächst der Stimmungsbericht: Auf der Zufriedenheitsskala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) hat Favoriten mit 5,9 den niedrigsten Wert, im Wien-Schnitt liegen Meidling mit 6,48 und Simmering mit 6,65, positiver sehen es Unternehmer mit 6,92 in Liesing. „Mit Verlaub, Begeisterung sieht anders aus“, fasste Studienautor Dr. David Pfarrhofer vom market Institut die Ergebnisse zusammen.
Den wesentlichen Verbesserungsansatz sah Dr. Michael P. Walter, Obmann des Wirtschaftsbundes Favoriten, in einer erhöhten Präsenz der Polizei. 85 Prozent, also fast neun von zehn Gewerbetreibenden wünschen sich ein verbessertes Sicherheitsgefühl. Einen Lösungsansatz für Walter läge in der Forderung nach einer eigenen Stadtwache. Diese soll die Polizei entlasten, damit die Polizei das Sicherheitsgefühl in den Einkaufstraßen erhöhen kann. „Ein Stadtwache soll die Polizei nicht ersetzen, sondern sie unbewaffnet von Tätigkeiten entlasten, die ganz sicher nichts mit Kriminalitätsbekämpfung zu tun haben. Nämlich von der Überwachung des ruhenden Verkehrs über die Ahndung von Schwarzfahr-Delikten bis hin zur Exekutierung des Jagd- und Fischereigesetzes oder dem Schutz von Greifvogelhorsten", wofür in Wien auch die Bundespolizei zuständig sei“ erklärte Walter.
„Fast drei Viertel der Unternehmen aus dem Elften wollen den Ausbau der Simmeringer Hauptstraße zu einer attraktiven, echten Einkaufsmeile“ brachte Adalbert Herbich, stellvertretender Obmann des WB-Simmering, den dringendsten Wunsch der Simmeringer Betriebe auf den Punkt. Zur wirtschaftlichen Entwicklung des Bezirks sehen auch 74 Prozent der befragten Betriebe die Notwendigkeit, Betriebsflächen nicht nur für Büros sondern auch für Produktions- und Logistikbetriebe mit F&E-Einheiten zu sichern.
Die Nachfrage nach Büroflächen ist dafür in Meidling artikuliert worden. Herbert Hallwirth, Obmann des Meidlinger Wirtschaftsbundes, betonte dass rund 60 Prozent der befragten Betriebe die Idee das Büro im Wohnungsverband steuerlich absetzen zu können, oder die Nutzung der ÖBB-Backstein-Gebäude am „Bahnhof Meidling“ als Bürogebäude für EPU und andere Betriebe als sehr interessant bzw. interessant einstufen. „Das wären zwei ganz klare Signale in Richtung Einpersonenunternehmen“ unterstrich Hallwirth bei dieser Gelegenheit auch die gute Akzeptanz des vom Wirtschaftsbund in der Wirtschaftskammer initiierten Forum EPU www.forumepu-wkw.at, in 4., Operngasse 17-21, in welchem kostenlos Büroräumlichkeiten von Einpersonenunternehmen genutzt werden können.
„Ein Baustopp für Einkaufszentren und Fachmärkte und Stärkung der bestehenden Nahversorger, um die Stadt der kurzen Wege zu erhalten“, brachte Alexander Klacska, Obmann des Wirtschaftsbundes Liesing, die von 68 Prozent der Liesinger Unternehmen geäußerte Forderung auf den Punkt. Und Klacska legte auch sein generelles Credo für das „Wirtschaft fordert Politik“-Programm fest: „E.V.A. – Entlasten, Vereinfachen und Ankurbeln, das muss jetzt die Lösung aller Verantwortungsträger sein, um die Wirtschaft in Wien und Österreich durch die Krise und in das Wachstum zu führen.“
In seiner Zusammenfassung und dem Ausblick der Tour-Ergebnisse zeigte sich Alexander Biach, Direktor des Wirtschaftsbundes Wien, zufrieden und er griff auch gleich das EVA-Credo von Obmann Klacska auf: „Worum ging es uns bei diesen Veranstaltungen, das lässt sich mit dem Credo A.D.A.M. beantworten: Aufzeigen der Unternehmensanliegen, Diskutieren mit unseren Betrieben, Attraktivieren unserer Bezirke und Motivieren der Verantwortlichen.“


