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„Wirtschaft fordert Politik. Was unsere Unternehmer jetzt wirklich brauchen“

16. Oktober 2009  

Wien-Mitte am Wort: „Entlasten, Vereinfachen und Ankurbeln – aber bitte schnell!“

Wirtschaftsbund-Tour „Wirtschaft fordert Politik“ brachte im Kreativzentrum „Forum Mozartplatz“ die Unternehmeranliegen der Bezirke 1, 3, 4 und 5 auf den Punkt  



„Bürokratielast, Parkplatznot, Finanzierungsprobleme und Dauerdemos“ die Innenstadt (1), die Landstraße (3), die Wieden (4) und Margareten (5) sind sich einig, „hier muss rasch gehandelt werden, das schadet unserer Wirtschaft in der Region“. Am Mittwoch, 14. Oktober 2009, fanden sich über 100 Gewerbetreibende der vier Bezirke im „Kreativwirtschaftszentrum“ am Forum Mozartplatz ein, um die Bezirksergebnisse einer breit angelegten Unternehmerbefragung des Wirtschaftsbundes zu diskutieren. Unter ihnen auch Vertreter aus der Stadtregierung (StR Isabella Leeb) oder den Bezirksvertretungen (BV-Stv. Markus Figl aus der Inneren Stadt).

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Zum Einstieg gab es die Ergebnisse zur Zufriedenheit: Unternehmerinnen und Unternehmer bewerteten die Situation in ihrem Bezirk auf einer Skala von 1 (ganz schlecht) bis 10 (sehr gut). Die Innere Stadt stellt mit einem Wert von 6,86 den Spitzenreiter der vier Bezirke dar, sehr wohl fühlen sich auch die Unternehmerinnen und Unternehmer mit 6,67 auch auf der Wieden. Beide Werte liegen (wenn auch nur knapp) über dem Wiener Durchschnitt. Die Landstraße liegt mit einem Wert von 6,29 in der Mitte und Margareten mit 5,91 am Ende der Skala.



„Keinen Grund zum Jubeln“ bedeutet das Zufriedenheitsergebnis für Jessi Lintl, die Obfrau des WB Innere Stadt. „Mit 93 Prozent haben wir den wienweit höchsten Wert an empfundener Bürokratielast. Das sollte uns nachdenklich stimmen und endlich zu Erleichterungen führen, sei es bei der Dichte an statistischen Erhebungen oder den ausufernden Auflagen bei Betriebsanlagengenehmigungen“ und Lintl bringt noch ein für über 70 Prozent der Innenstadtbetriebe wesentliches Thema vor: „Wir brauchen auch mehr Kontrollen bei den Hütchenspielern, Taschenspielern und Hausierern in der Kärntner Straße und am Graben. Hier sind viele ohne Genehmigung unterwegs, verstellen die Auslagen, oft kommt es durch Ablenkung auch zu Diebstählen. All das vertreibt Kunden und schadet unseren Betrieben.“ Auch die andauernden Demonstrationsrouten durch die Innenstadt werden als belastend empfunden. Lintl: „Keine Kritik an Demonstrationen an sich, aber müssen es immer die gleichen Straßen sein?“

„Wir spüren die Kreditklemme, 71 Prozent unserer Betriebe wollen einen schnelleren und besseren Zugang zu Krediten“ bringt Christian Moser, Obmann des WB-Landstraße, das wesentliche Anliegen seiner Betriebe auf den Punkt. Die Diskussion zeigte, dass viele Faktoren wie die strenge Handhabung der Basel II-Kreditvorschriften, die Schwierigkeiten bei der  erforderlichen Eigenkapitalaustattung, aber auch internationale Risikozuschläge derzeit Investitionen behindern. Moser warnte in diesem Zusammenhang das Durchhaltevermögen der Betriebe nicht zu lange zu strapazieren. Dauerbrenner auf der Landstraße ist jedenfalls auch die Parkplatznot: „Zu bürokratisch die Nachweispflicht für das Unternehmer-Parkpickerl, zu unpraktikabel die 10 Minuten für kostenfreies Kurzparken.“

„Die Wieden ist ein Kreativbezirk, auch in der Unternehmerszene und das bringt auch einen hohen Anteil an Einpersonenunternehmen mit sich, die ihr Büro in der eigenen Wohnung haben“ leitete Karl Timel, WB-Obmann an der Wieden, zu einer zentralen Forderung von zwei Drittel der Unternehmen im „Vierten“ über, nämlich der „steuerlichen Absetzbarkeit des Arbeitsraums im Wohnungsverband“. Als dringenden Appell an die Politik versteht Timel auch den Wunsch der Unternehmen nach einem klaren Konzept gegen die Abwanderung der Kaufkraft in Richtung Zentralbahnhof: „Die Wieden lebt von ihrer Nahversorgerstruktur, das müssen wir jedenfalls erhalten!“

Belebung der Nahversorgung war auch das zentrale Anliegen für Herbert Schlögl, dem Obmann des WB-Margareten. „70 Prozent der Margaretner Unternehmerschaft können unserem Vorschlag für die gezielte Förderung der Geschäftslokalmieten etwas abgewinnen“ erklärte Schlögl, selber Lebensmitteleinzelhändler, seinen Ansatz: “Auf den Arbeiten des Einkaufstraßenmanagements der Wirtschaftskammer Wien aufbauend, soll in den verschiedenen Regionen unseres Bezirks der Bedarf der Konsumenten genau erhoben werden und anschließend kann die Ansiedelung der benötigten Nahversorgerbetriebe gezielt gefördert werden indem man ihnen beispielsweise für eine gewisse Zeit die Mieten für die Geschäftslokale zahlt.“ Und wie könnte es anders sein – auch in Margareten wird über die Parkplatznot geklagt.

„Die Aussagen waren klar: Entlasten, Vereinfachen und Ankurbeln. Ein in Summe spannender Abend, der auch darüber hinaus wirken wird“ fasste der Wirtschaftsbunddirektor von Wien, Alexander Biach, zusammen.