26.05.2010
Nun ist der worst case tatsächlich eingetreten: Die fairen Verhandlungen der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA) mit der Ärztekammer sind an der sturen Haltung der Ärztevertreter gescheitert. Es ging um angemessene Tarife für Selbstständige, die für ärztliche Behandlungen im Schnitt um 50 Prozent und bei Laborleistungen sogar um 100 Prozent mehr bezahlen als Unselbständige. Derzeit gibt es die skurrile Situation, dass für die Untersuchung von Selbständigenblut die Ärzte das Dreifache verlangen, einfach weil es Blut aus dem Körper eines Selbständigen ist! Die Wirtschaft wollte nur eines: Fairness.
Daraufhin hat die Ärztekammer den derzeitigen Vertrag gekündigt, womit ab 1. Juni ein vertragloser Zustand eintritt. Besonders dramatisch ist, dass nun die Ärztekammer ihren Ärzten sogar empfiehlt, die Tarife um 20 Prozent zu erhöhen. Landesobmann Jürgen Bodenseer spricht von Mafia-Methoden: "Es gibt keinerlei sachliche Begründung, warum Selbstständige für ärztliche Leistungen viel mehr bezahlen sollen." Betroffen sind in der Hauptsache Kleinst- und Kleinbetriebe: 60 Prozent der SVA-Versicherten verdienen unter 1000 Euro monatlich. "Hier im großen Stil abzocken zu wollen, ist ebenso verfehlt wie unmoralisch", so Wirtschaftsbund-Landesobmann Jürgen Bodenseer, der gleiche Tarife für gleiche Leistungen als Gebot der Fairness einfordert. "Es kann doch nicht sein, dass beim Geld die ärztliche Ethik aufhört!"
"Wer weiß", fügt Bodenseer hinzu, "wozu die jetzige Situation gut ist." Möglicherweise entsteht daraus ein neues Modell jenseits der Zwangsbeglückung durch Ärzte-Honorar-Kartelle: "Vertragsloser Zustand bedeutet Wettbewerb unter den Ärzten. Möglicherweise steht am Ende der Diskussion nur mehr eine Mindestpflichtversicherung über die SVA für Basisleistungen – und darüber hinaus könnte der individuelle Zukauf ärztliche Leistungen am freien Markt erfolgen. Ob das die Ärztekammer mit ihrer jetzigen Blockadepolitik allerdings tatsächlich so beabsichtigt, ist mehr als fraglich", so der Landesobmann.
Information für die Versicherten: Der vertragslose Zustand tritt mit 1. Juni in Kraft. Die Versorgung der Patienten ist trotzdem gesichert. Bodenseer rät den Versicherten, sich vor Ort beim Arzt über die Leistungen und deren Kosten genau zu informieren und diese mit den Tarifen der SVA abzugleichen. Weitere Informationen erhalten die SVA-Versicherten im Service-Point der Wirtschaftskammer Tirol unter Tel. 0590905-1111 oder direkt bei der SVA unter Tel. 050808-3000 (Hotline) oder www.svagw.at
Bodenseer: Hört beim Geld die ärztliche Ethik auf?
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